Die Infrastruktur hinter meinem digitalen Alltag
In den vergangenen Artikeln ging es vor allem um die Frage, warum mich digitale Souveränität beschäftigt und welche Konsequenzen ich daraus ziehe.
Heute möchte ich den nächsten Schritt zeigen.
Nicht als Anleitung.
Sondern als Einblick in die Infrastruktur, die ich mir nach und nach aufgebaut habe.
Wichtig ist mir dabei eines:
Ich halte diese Lösungen nicht für die einzig richtigen. Sie passen zu meinen Anforderungen und helfen mir dabei, mehr Verantwortung für meine digitalen Werte zu übernehmen.
Nicht möglichst viel – sondern möglichst sinnvoll
Mein Ziel war nie, alles selbst zu hosten.
Ich wollte auch kein Homelab aufbauen, nur um Technik auszuprobieren.
Mich hat vielmehr die Frage beschäftigt:
Welche digitalen Bereiche sind für mich so wichtig, dass ich sie möglichst unabhängig verwalten möchte?
Aus dieser Überlegung heraus ist mein heutiges Setup entstanden.
Passwortverwaltung
Passwörter sind der Schlüssel zu unserem digitalen Leben.
Deshalb wollte ich diesen Bereich möglichst unabhängig von einem einzelnen Betriebssystem oder Gerätehersteller verwalten.
Ich nutze dafür Vaultwarden.
Der große Vorteil für mich ist, dass ich meine Passwortdatenbank selbst verwalten kann und gleichzeitig die gewohnte Benutzerfreundlichkeit eines modernen Passwortmanagers behalte.
Fotos und Erinnerungen
Fotos gehören zu den persönlichsten Daten überhaupt.
Sie dokumentieren Familie, Reisen und viele kleine Momente des Alltags.
Für die Verwaltung meiner Fotos setze ich auf Immich.
Mir gefällt besonders, dass ich meine Bilder selbst verwalten kann und dennoch viele Funktionen moderner Fotodienste wie automatische Sicherung, Suche oder Alben zur Verfügung habe.
Dokumente
Rechnungen, Verträge, Garantien oder Versicherungsunterlagen möchte ich nicht erst suchen müssen, wenn ich sie brauche.
Mit Paperless-ngx archiviere und verschlagworte ich meine Dokumente digital.
Dadurch finde ich Unterlagen innerhalb weniger Sekunden wieder und habe gleichzeitig die Kontrolle darüber, wo sie gespeichert sind.
Musik
Streaming nutze ich weiterhin.
Gleichzeitig habe ich viele CDs gesammelt und kaufe gelegentlich auch heute noch gebrauchte Alben.
Mit Navidrome kann ich meine eigene Musiksammlung komfortabel auf verschiedenen Geräten hören.
So kombiniere ich den Komfort moderner Streaming-Dienste mit dem Besitz meiner eigenen Musik.
Filme und Serien
Ähnlich sieht es bei Filmen und Serien aus.
Auch hier nutze ich Streaming-Angebote.
Filme oder Serien, die ich dauerhaft besitzen möchte, archiviere ich in meiner eigenen Mediensammlung.
Für die Verwaltung nutze ich Jellyfin.
Dadurch habe ich meine Inhalte jederzeit verfügbar, unabhängig davon, ob sie bei einem Streaming-Anbieter noch angeboten werden.
Das eigentliche Prinzip
Vielleicht fällt auf, dass keines dieser Programme für mich im Mittelpunkt steht.
Die Software kann sich ändern.
Entscheidend sind für mich andere Fragen:
- Kann ich meine Daten exportieren?
- Nutzt die Lösung offene Standards?
- Bin ich von einem einzelnen Anbieter abhängig?
- Kann ich mein System bei Bedarf erweitern oder wechseln?
- Verstehe ich, wie meine Daten organisiert sind?
Diese Fragen sind für mich wichtiger als der Name einer Software.
Was ich dabei gelernt habe
Mehr Kontrolle bedeutet auch mehr Verantwortung.
Backups müssen eingerichtet werden.
Updates gehören dazu.
Auch Dokumentation und Datensicherheit sind Teil des Systems.
Genau deshalb sehe ich Selbsthosting nicht als Hobby, sondern als bewusste Entscheidung.
Es ist kein Weg für jeden.
Aber für mich ist es ein sinnvoller Beitrag zu mehr digitaler Souveränität.
Fazit
Meine Infrastruktur ist kein fertiges Projekt.
Sie entwickelt sich ständig weiter.
Vielleicht nutze ich in einigen Jahren andere Programme als heute.
Das ist für mich völlig in Ordnung.
Denn mein Ziel ist nicht, an einer bestimmten Software festzuhalten.
Mein Ziel ist es, langfristig handlungsfähig zu bleiben und meine wichtigsten digitalen Werte bewusst zu verwalten.
