Digitale Abhängigkeiten im Alltag – sie entstehen schleichend

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Digitale Abhängigkeiten im Alltag – sie entstehen schleichend

Im ersten Artikel dieser Reihe habe ich beschrieben, warum mich das Thema digitale Souveränität zunehmend beschäftigt.

Dabei geht es für mich nicht darum, Cloud-Dienste grundsätzlich infrage zu stellen. Vielmehr geht es um die Frage, welche Abhängigkeiten wir im Alltag eingehen – oft, ohne es überhaupt zu bemerken.

Denn die wenigsten Entscheidungen treffen wir bewusst.

Sie entstehen Schritt für Schritt.

Bequemlichkeit ist selten das Problem

Die meisten digitalen Dienste lösen ein echtes Problem.

Fotos werden automatisch gesichert. Dokumente sind auf jedem Gerät verfügbar. Passwörter synchronisieren sich zwischen Smartphone und Computer. Musik und Filme stehen jederzeit bereit.

Das alles spart Zeit und macht den Alltag einfacher.

Genau deshalb nutzen wir diese Dienste.

Erst mit der Zeit entsteht daraus ein digitales Ökosystem, das hervorragend funktioniert – aber auch immer schwerer zu verlassen ist.

Abhängigkeiten entstehen in kleinen Schritten

Niemand entscheidet sich morgens dafür, von einem einzelnen Anbieter abhängig zu werden.

Man kauft ein Smartphone.

Dann nutzt man den Cloudspeicher.

Später kommen Kalender, Kontakte und E-Mails hinzu.

Danach Dokumente, Notizen, Fotos und vielleicht noch der Passwortmanager.

Jede einzelne Entscheidung wirkt sinnvoll.

Die Summe dieser Entscheidungen führt jedoch dazu, dass ein Wechsel irgendwann aufwendig wird.

Nicht unbedingt, weil die Technik es verhindert.

Sondern weil der eigene Alltag vollständig darauf aufgebaut ist.

Die entscheidende Frage

Für mich geht es deshalb nicht darum, ob ein Anbieter gut oder schlecht ist.

Ich stelle mir heute eine andere Frage:

Wie einfach könnte ich wechseln, wenn ich es morgen müsste?

Kann ich meine Daten exportieren?

Liegen sie in offenen Formaten vor?

Kann ich meine Fotos, Dokumente oder Kontakte problemlos in ein anderes System übernehmen?

Oder wäre ein Wechsel mit erheblichem Aufwand verbunden?

Allein diese Fragen helfen dabei, die eigenen Abhängigkeiten besser zu verstehen.

Das gilt auch für Unternehmen

Im Unternehmensumfeld gibt es dafür einen bekannten Begriff: Vendor Lock-in.

Gemeint ist die Situation, in der ein Wechsel des Anbieters zwar möglich ist, praktisch aber mit hohen Kosten, großem Aufwand oder erheblichen Risiken verbunden wäre.

Das betrifft nicht nur große Unternehmen.

Auch kleinere Betriebe sollten sich fragen:

  • Können wir unsere Daten jederzeit exportieren?
  • Haben wir ein funktionierendes Backup?
  • Gibt es eine realistische Exit-Strategie?
  • Welche Geschäftsprozesse hängen an einem einzigen Anbieter?

Diese Fragen erhöhen nicht den Aufwand.

Sie erhöhen die Handlungsfähigkeit.

Mein persönliches Fazit

Ich möchte nicht jede Abhängigkeit vermeiden.

Das wäre weder realistisch noch sinnvoll.

Aber ich möchte sie kennen.

Denn nur wenn ich weiß, wovon ich abhängig bin, kann ich bewusst entscheiden, ob diese Abhängigkeit für mich akzeptabel ist.

Für mich beginnt digitale Souveränität genau an diesem Punkt.

Nicht mit Technik.

Sondern mit Bewusstsein.


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